Warum Kontaktlinsenlösung Slime elastisch machen kann

Manche Kontaktlinsenlösungen enthalten Borsäure, Borate oder borathaltige Puffersysteme. Borverbindungen können lange Polymerketten im Kleber miteinander vernetzen. Dadurch wird eine flüssige Klebermischung zäher, elastischer und formbarer. Diese chemische Funktion erklärt, warum einige Internetrezepte funktionieren. Sie ist aber keine Sicherheitsfreigabe für Kinderhände, Mundkontakt oder langes Aufbewahren.

Ein Medizinprodukt ist kein Bastelstoff

Kontaktlinsenlösung wird für einen genau beschriebenen Zweck und eine bestimmte Anwendung geprüft. Beim Slime wird sie mit großen Mengen Kleber, Rasierschaum, Duschgel, Stärke, Natron oder anderen Stoffen kombiniert. Die resultierende Mischung ist weder die ursprüngliche Kontaktlinsenlösung noch ein geprüftes Spielzeug. Ablaufdatum, Reste oder eine für die Linsenpflege nicht mehr verwendete Flasche werden dadurch nicht zu einer nachhaltigen Bastelzutat.

Risiken der weiteren Zutaten

ANSES weist darauf hin, dass flüssige Kleber Konservierungsmittel wie Formaldehydabspalter oder Isothiazolinone sowie Lösungsmittel enthalten können. Diese Stoffe können Haut, Augen oder Atemwege reizen und Allergien begünstigen. Haushalts- und Kosmetikprodukte sind nicht dafür vorgesehen, wiederholt und lange in einer selbst gemischten Masse auf der Haut zu bleiben. Handschuhe machen eine unbekannte Rezeptur nicht zu sicherem Kinderspielzeug.

Borate sachlich einordnen

Borverbindungen erzeugen die gewünschte Vernetzung, können aber je nach Menge und Aufnahmeweg gesundheitlich relevant sein. ANSES rät davon ab, borhaltige Produkte außerhalb ihres vorgesehenen Verwendungszwecks für wiederholt hergestellten Slime einzusetzen. Die Konzentration in einem Internetrezept lässt sich aus dem Flaschenetikett nicht zuverlässig auf die fertige Mischung übertragen, insbesondere wenn mehrere borhaltige oder unbekannte Produkte kombiniert werden.

Was das BfR zu geprüftem Spielschleim sagt

Das BfR bewertete Messdaten zur Borfreisetzung aus untersuchten Spielschleimen und kam zu dem Ergebnis, dass akute gesundheitliche Auswirkungen nach einmaligem Verschlucken einer kleinen Menge sehr unwahrscheinlich sind. Es empfiehlt trotzdem, Mundkontakt zu vermeiden und die Altersangaben zu beachten. Diese differenzierte Bewertung bezieht sich auf gemessene Spielzeugproben und festgelegte Freisetzungswerte.

Warum das BfR-Ergebnis kein DIY-Rezept freigibt

Bei selbst gemischtem Slime sind Borfreisetzung, Gesamtmenge, Konservierungsstoffe, mikrobielle Belastung und langfristiger Hautkontakt unbekannt. Eine Mischung kann deutlich anders zusammengesetzt sein als die vom BfR untersuchten Produkte. Deshalb wäre es falsch, das niedrige akute Risiko einer einzelnen Aufnahme geprüfter Spielschleime als allgemeine Entwarnung für jedes Internetrezept zu verwenden.

Sicherere Alternative

Für Kinder sind Produkte oder Sets sinnvoller, die ausdrücklich als Spielzeug in Verkehr gebracht werden, eine vollständige Kennzeichnung, Altersangabe und Gebrauchsanleitung besitzen und von einem seriösen Anbieter stammen. Auch solche Produkte müssen entsprechend der Anleitung benutzt werden. Vor dem Kauf kann im europäischen Safety-Gate-System nach Rückrufen und Warnmeldungen gesucht werden. Eine CE-Kennzeichnung ersetzt nicht die Beachtung der Anleitung oder Rückrufinformationen.

Was tun bei Beschwerden oder Kontakt?

Bei Hautreizungen wird der Kontakt beendet und die Masse abgewaschen. Gelangt Material ins Auge, wird die Linse – sofern vorhanden und ohne Gewalt möglich – entfernt und das Auge mit sauberem, lauwarmem Wasser gespült. Bei anhaltendem Brennen, Rötung, Sehproblemen, Atemwegsbeschwerden oder nach Verschlucken mit Symptomen sollte medizinischer Rat beziehungsweise die regionale Giftinformation eingeholt werden. Die Produktverpackungen der verwendeten Stoffe sollten verfügbar bleiben.

Kernaussagen und Belegstatus

Kernaussagen und Belegstatus
Feld/ThemaWert/AussageQuelle/Status
Chemische FunktionBorate können Polymerketten im Kleber vernetzenBfR/ANSES
Vorgesehener ZweckKontaktlinsenlösung ist kein SpielzeugrohstoffProduktsicherheit
DIY-MischungNicht als Spielzeug sicherheitsgeprüftRedaktionelle Bewertung
ANSES-WarnungBorsäure/Borate und reizende/allergene Inhaltsstoffe bei DIY-SlimeANSES
BfR-BewertungEinmaliges Verschlucken untersuchter Spielschleime meist niedriges akutes RisikoBfR
ÜbertragbarkeitNicht auf unbekannte DIY-Rezepturen übertragbarRedaktionelle Schlussfolgerung
EmpfehlungGekennzeichnetes, altersgerechtes Spielzeug/Set und Rückrufe prüfenEU/BfR

Häufige Fragen

Ist Slime mit Kontaktlinsenlösung giftig?

Das lässt sich für eine selbst gemischte Rezeptur nicht pauschal beantworten. Zusammensetzung und Exposition sind unbekannt; deshalb empfehlen wir kein Rezept.

Warum wird Kontaktlinsenlösung in Slime-Rezepten verwendet?

Borate in manchen Lösungen können die Polymerketten des Klebers vernetzen und die Masse elastisch machen.

Kann abgelaufene Kontaktlinsenlösung zum Basteln benutzt werden?

Nein. Ein abgelaufenes oder nicht mehr verwendbares Medizinprodukt wird nicht zu einem geprüften Bastelstoff.

Das BfR sagt doch, Slime sei wenig gefährlich – gilt das auch für DIY-Slime?

Nein. Die BfR-Bewertung beruht auf gemessenen Borfreisetzungen untersuchter Spielschleime und lässt sich nicht automatisch auf unbekannte Mischungen übertragen.

Welcher Slime ist für Kinder geeigneter?

Ein ausdrücklich als Spielzeug gekennzeichnetes, altersgerechtes Produkt oder Set mit vollständiger Anleitung von einem seriösen Anbieter ist besser kontrollierbar als ein Internetrezept.

Quellen

Quellenstand laut redaktioneller Prüfung. Externe Links öffnen in einem neuen Fenster.

  1. https://www.anses.fr/en/content/slime-very-popular-toy-putty-not-without-risk
  2. https://www.anses.fr/en/content/preparation-and-handling-slime-health-authorities-call-continued-vigilance
  3. https://www.bfr.bund.de/presseinformation/niedriges-gesundheitliches-risiko-durch-borverbindungen-in-spielschleim-und-huepfknete/
  4. https://www.bfr.bund.de/stellungnahme/bor-in-wabbelmassen-wie-spielschleim-und-huepfknete-gesundheitliche-beeintraechtigungen-fuer-kinder-sind-nicht-zu-erwarten/
  5. https://ec.europa.eu/safety-gate/
  6. https://single-market-economy.ec.europa.eu/sectors/toys/placing-toys-eu-market_en